Kamerun liegt am Golf von Guinea zwischen West- und Zentralafrika. Es grenzt im Süden an Äquatorialguinea, Gabun und Kongo, im Osten an die Zentralafrikanische Republik, im Norden an Tschad und Nigeria.

Erdteil: (Zentral-)Afrika

Offizieller Name: République du Cameroun (Französisch); Republic of Cameroon (Englisch)

Landesname: Der Name Kamerun leitet sich vom Kamerunfluß ab, den die Portugiesen im 15. Jahrhundert als Rio dos Cameros, Fluß der Krabben, bezeichneten.

Staatsform: Republik mit Mehr-Parteien-System

Staatsführung: Präsident

Regierungsführung: Premierminister

Landesfläche: 475.442 qkm (Weltrang 52)

Gliederung: 10 Provinzen, 58 Departements sowie Bamum, ein Staat im Staat

Hauptstadt: Yaoundé

Offizielle Sprache: Französisch, Englisch

Staatsreligion: keine

Währung: CFA Franc (1€ = 656CFA)

Bevölkerung: 14 710 000

Bevölkerungsdichte :  30,9 Menschen je qkm

Ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung: Fang 19.6%; Bamileke und Bamum 18.5%; Duala, Luanda und Basa 14.7%; Fulani 9.6%; Tikar 7.4%; Mandara 5.7%; Maka 4.9%; Chamba 2.4%; Mbum 1.3%; Hausa 1.2%; Franzosen 0.2%; andere 14.5%

Religionszugehörigkeit: Katholiken 34.7%; Muslime 21.8%; Protestanten 17.5%

Größte Städte: Douala 1,200,000; Yaoundé 1,000,000; Bafoussam 200,000; Garoua 120,000; Maroua 80,000

Internationales Kennzeichen: CAM

Nationalfeiertag: 20. Mai (Verfassungstag); 10. Dezember (Wiedervereinigungstag)

Geographische Lage: 8º O - 16º O / 2º N - 13º N

Geologische Merkmale: höchster Berg --> Kamerunberg 4070 m.

Geographie: Das Landesinnere besteht vorwiegend aus flachen Plateaus, die sich nach Norden zum Adamawa-Hochland erheben und dann allmählich wieder zur Niederung des Tschadsees im äußersten Norden abfallen. Der Westen ist von vulkanischem Gebirge bestimmt, das in Küstennähe vom aktiven Vulkan und der höchsten Erhebung Westafrikas, dem Kamerunberg, überragt wird. Die südlichen Plateaus sind mit Regenwald bedeckt und senken sich zu breiten Ebenen in der Küstengegend ab.

Klima: Das Klima ist tropisch mit niederschlagsreichen Regenperioden und hohen Temperaturen, die in den Höhenlagen gemildert sind.

  Höhe Temp. Januar Temp. Juli Niederschlag (Jahr, mm)
Jaunde 760 24 23 1555

Flora/Fauna: In den südlichen Regenwäldern findet man Edelhölzer wie Ebenholz, Mahagoni und Sapele sowie eine große Vielfalt von Pflanzen- und Tierarten. Dazu zählen Orchideen und Farne, Schimpansen und andere Affenarten sowie eine artenreiche Vogelwelt. In den nördlichen Savannen leben Elefanten, Löwen und Leoparden.

Durchschnittliches Jahreseinkommen je Einwohner: 600 $ (US)

Geburtsrate je 1000 Menschen: 39,3 (Weltdurchschnitt. 25.0).

Todesrate je 1000 Menschen: 11,9 (Weltdurchschnitt 9.3).

Wirtschaftliche und soziale Kennziffern:

Dienstleistung: (in %) 38,1
Industrie: (in %) 21,7
Landwirtschaft: (in %) 40,2
BSP/Kopf: (US$) 620
Inflation: (in %) 3
Arbeitslosigkeit: (in %) k.A.
Urbanisierung: (in %) 45
Bev.-Wachstum/Jahr: (in %) 2,8
Kindersterblichkeit: (in %) 7,4
Einwohner pro Arzt: 11.996

Ressourcen: Erdöl, Kaffee, Bananen, Kautschuk, Aluminium, Bauxit, Eisenerz, Holz

Wirtschaft, Verkehr: Exportorientierter Plantagenanbau von Kaffee, Kakao, Bananen und Baumwolle. Für den Eigenbedarf werden Mais, Hirse, Reis, Maniok, Süßkartoffeln, Bohnen und Erdnüsse angebaut. Bauxit, Eisenerz, Erdöl und Erdgas werden erst z. T. abgebaut. Wichtige Industriebetriebe sind eine Erdölraffinerie und Aluminiumwerke. Das Eisenbahnnetz ist 1115 km, das Straßennetz 67.000 km lang. Wichtige Häfen sind Duala, Kribi und Victoria. Internationaler Flugplatz ist Duala.

Weltkulturerbe: Tierreservat Dja

Kultur: Kamerun verfügt über ein reiches kulturelles Erbe. Wegen der Vielzahl der hier lebenden Völker unterscheiden sich die Bräuche und Kunstformen in den einzelnen Gebieten stark voneinander.

Familienstruktur: Die Verhandlungen, die der Eheschließung vorausgehen, können sich über mehrere Monate ziehen oder bis zur beiderseitigen Einigung sogar einige Jahre in Anspruch nehmen. Dabei werden den Angehörigen beider Familien Pflichten übertragen, die nach der Eheschließung erfüllt werden müssen. Das durchschnittliche Heiratsalter liegt bei den Frauen bei 19 Jahren; Männer heiraten im Schnitt mit 27 Jahren. In den ländlich geprägten Gegenden sind die Paare bei der Eheschließung jedoch häufig jünger, während das Heiratsalter in den Städten meist über dem Durchschnitt liegt. Die Hochzeitszeremonien sind im Allgemeinen einfach, aber vor allem in den Städten gibt es Paare, die beim Hochzeitsempfang an die europäische Tradition anknüpfen. Die Gesetzgebung des Islam erlaubt den Männern die Eheschließung mit bis zu vier Frauen, jedoch nur unter der Voraussetzung, dass er alle gleichwertig und angemessen versorgen kann. Die Polygamie oder Vielweiberei ist auch heute noch in den ländlichen Gebieten weit verbreitet und durchaus üblich, nimmt aber wegen der großen mit ihr verbundenen wirtschaftlichen Belastungen immer mehr ab. Die Eheschließung wird gelegentlich eher als Sozialvertrag mit dem Nebeneffekt der wirtschaftlichen Absicherung betrachtet und weniger als eine Partnerschaft auf der Grundlage gegenseitiger Zuneigung. Großfamilien sind in Kamerun weit verbreitet und umfassen in den ländlichen Gegenden häufig bis zu zehn Kinder. Die Familienverbände in den städtischen Gebieten sind in der Regel kleiner. Die Kinder werden fast ausschließlich von Frauen großgezogen. Die Väter nehmen einen größeren Einfluss auf die Berufs- bzw. Karrierewünsche, Heiratspläne und Eigentumsangelegenheiten ihrer Söhne. Säuglinge werden von ihren Müttern versorgt, bis sie abgestillt sind; gegebenenfalls kümmern sich dann die älteren Geschwister oder die übrigen Familienmitglieder um sie. Häufig übernehmen auch die Großeltern oder die Familien von Verwandten die Obhut über eines oder mehrere Kinder. Ab dem Alter von zehn Jahren hüten die Kinder die Tiere oder helfen bei der Arbeit auf dem Land oder im Haushalt. Die Frauen verbringen einen Großteil ihrer Zeit miteinander, vor allem in den Familien, in denen es zur gleichen Zeit mehr als eine Ehefrau gibt. Frauen genießen in der Gesellschaft nur wenige Rechte und können von ihrem Ehemann verstoßen und zu ihrer Familie zurückgeschickt werden, wenn sie seine Erwartungen nicht erfüllen. Sie besitzen keinerlei Eigentumsrechte, verrichten jedoch den größten Teil der anfallenden Arbeiten einschließlich der Bewirtschaftung der Felder. Da die Frauen mit dem In-Kraft-Treten der Ehe gleichzeitig ihre Bürgerrechte verlieren, entscheiden sich berufstätige Frauen mit einem höheren Bildungsstand häufig gegen eine Heirat, ohne jedoch auf den Wunsch nach Kindern zu verzichten. Im Süden des Landes nehmen immer mehr Frauen das Ausbildungs- und Bildungsangebot wahr und treten in den Arbeitsmarkt ein; dies trifft jedoch weniger häufig für die weibliche Bevölkerung im nördlichen Landesteil zu.

Essen und Trinken: Die Hauptprodukte des Landes sind Mais, Hirse, Maniok, Erdnüsse, Yams und Mehlbananen (Kochbananen). Im Süden von Kamerun werden oft Speisen aus Getreide zubereitet, das zunächst in Palmöl gegart und dann mit Chili gewürzt wird. Dazu isst man eine Sauce mit Fisch, Fleisch oder Gemüse. Fufu ist ein weit verbreitetes Gericht und besteht aus einer festen, pastenähnlichen Masse, die aus gekochtem Mais, Hirse oder Cassava zubereitet wird. Garri ist geraspelter Maniok, der über dem Feuer so lange getrocknet wird, bis die Raspeln leicht und flockig sind. Die meisten Dorfbewohner können sich den Luxus von Fleisch und Reis nicht oder nur sehr selten leisten. In den städtischen Regionen besteht ein Frühstück oft aus Tee oder Kaffee, Brot und Obst. Die Bewohner der ländlichen Gegenden nehmen zum Frühstück meist die gleichen Speisen zu sich, aus denen auch die Hauptmahlzeit am Nachmittag besteht. Das Abendessen ist in der Regel sehr leicht. Beliebte Zwischenmahlzeiten sind rohes Zuckerrohr, gekochter Maniok, gekochte Eier, gegrillter Mais, frisches Obst und Nüsse. Bier ist in ganz Kamerun ein sehr beliebtes Getränk und dient gelegentlich auch als Wasserersatz. Die Mahlzeiten werden häufig im Namen der Götter oder Vorfahren gesegnet. Ältere Familienmitglieder dürfen sich zuerst bedienen. Auf dem Land nehmen die Frauen die Mahlzeiten nicht gemeinsam mit den Männern und älteren Jugendlichen ein, sondern sitzen in einer Gruppe zusammen mit den kleineren Kindern an der Feuerstelle, an der auch gekocht wird. Darüber hinaus servieren die Frauen das Essen. Die Speisen werden in großen Schüsseln serviert, aus denen sich jeder mit der rechten Hand bedient. Vor und nach den Mahlzeiten reicht man Wasser zum Waschen der Hände. Flaschen werden immer in Sichtweite derjenigen Personen, für die der Inhalt bestimmt ist, geöffnet. Auch wenn die anwesenden Gäste nicht hungrig sind, gilt es als höflich, dennoch ein wenig von jeder der angebotenen Speisen zu kosten. In vielen Regionen gelten Menschen, wenn sie keinen Hunger oder Appetit verspüren, als krank. Dementsprechend erwartet man von einem Gast, dass er reichlich isst.

Freizeit: Mannschaftssport und einzelne Disziplinen der Leichtathletik werden von Firmen und städtischen Clubs gefördert. Fußball ist die beliebteste Sportart und Kamerun konnte in den vergangenen Jahren hierbei internationale Erfolge erzielen. In den Schulen und Städten spielen Männer und Frauen häufig Handball, Volleyball und Basketball in Mannschaften. Im Januar findet ein Marathonlauf statt. Die Strecke führt auf den Kamerunberg und zurück. Traditionelle Brettspiele, bei denen Körner oder Kieselsteine die Funktion von Spielsteinen übernehmen, erfreuen sich großer Beliebtheit. Tontines (Njangis in den ehemals britischen Provinzen) sind Institutionen wie Sparkassen, die nicht ausschließlich wirtschaftlich-ökonomische Interessen vertreten, sondern soziale Ereignisse wie beispielsweise Feiern oder Festessen, die einmal im Monat stattfinden, tatkräftig unterstützen. Projekt- und Veranstaltungswochen, die ganz im Zeichen der Kultur und Förderung des Landes stehen und als “Culture and Development Weeks” bezeichnet werden, bewirken eine zeitweilige Invasion aus den Städten aufs Land. Viele Studenten und Schüler kehren einmal im Jahr für einige Wochen in den Ferien in ihre Heimatdörfer zurück und veranstalten dort Festessen, Tänze und Sportwettbewerbe, um so Fördermittel für Schulen und Gemeindeprojekte zu mobilisieren. Kinobesuche, Videofilme und Fernsehen zählen in den Städten zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen. Live-Musik und Tanz sind überall beliebt, ebenso Radios und tragbare Kassettenrecorder.

Gesamtgröße der Armee: 13,100 (Heer 87,8%; Marine 9,9%; Luftwaffe 2,3%)

Flage : Offiziell gehißt am 20.05.1975. Die panafrikanischen Farben, nach dem Vorbild der französischen Trikolore angeordnet, auf dem Mittelstreifen ein gelber fünfstrahliger Stern. Grün: Waldreichtum, Hoffnung auf eine glückliche Zukunft, Gelb: Savannen, Rot: Unabhängigkeit, Stern: nationale Einheit.

Nationalhymne: Am 10.05.1957 als Staatslied angenommen, seit dem 12.07.1978 geänderter Text.

Übersetzter Text der 1. Strophe: "O Kamerun, du Wiege unserer Ahnen, / Erheb dich stolz, deine Freiheit zu verteidigen. / Deine stolze Fahne muß wie eine Sonne / Ein Fanal des Glaubens und der Einigkeit sein..."

Kurzinfos: Das Land an der Westküste Afrikas hat in seiner Geschichte nahezu alle europäischen Kolonialmächte erdulden müssen. Erst kamen die Portugiesen und verkauften die Eingeborenen jahrhundertelang als Sklaven in die Neue Welt. Dann, 1884, waren die Deutschen dran. Im Ersten Weltkrieg eroberten Engländer und Franzosen das Land und teilten es friedlich unter sich auf, was vom Völkerbund und später auch von den Vereinten Nationen gebilligt wurde. Erst am 1. Januar 1969 entließen die Franzosen ihren Teil des Landes in die Unabhängigkeit, die Briten folgten 1961 und Kamerun wurde wiedervereinigt - bis auf einen Teil, der sich dem großen Nachbarn Nigeria anschloß. Heute gibt es in Kamerun über 200 ethnische Gruppen, wobei die bantu-sprechenden Völker im Süden und die überwiegend muslimischen Völker im Norden leben. Dazu kommt noch eine kleine Gruppe von Ureinwohnern (Pygmäen). Es werden über 200 Sprachen und Dialekte gesprochen. Dank der vergleichsweise guten Infrastruktur - positive Folge der langen Kolonialherrschaft - und der günstigen klimatischen Bedingungen kann sich das Land selbst ernähren, was für Afrika absolut nicht selbstverständlich ist. Und dank umfangreicher Exporte (vor allem Erdöl, daneben Kaffee, Kakao und Baumwolle) ist auch die Handelsbilanz positiv: 535 Millionen US$. So geht es Kamerun besser als vielen Nachbarstaaten und das Land galt lange als eines der stabilsten in Schwarzafrika. Seit 1995 aber kämpfen im Nordwesten des Landes Separatisten für eine Sezzion der englischsprachigen Gebiete. Unterstützt werden sie vom benachbarten (englischsprachigen) Nigeria. Als in der Region im März 1997 Polizeistationen von paramilitärischen Einheiten angegriffen wurden, machte die Regierung in Jaunde dann auch prompt die Separatisten dafür verantwortlich. Zwei Monate später, vor den Parlamentswahlen im Mai 1997, kamen bei blutigen Auseinandersetzungen fünf Menschen ums Leben. Die Partei von Präsident Paul Biya gewann 109 der 180 Parlamentssitze; doch mit rechten Dingen ging es dabei - auch nach dem Urteil ausländischer Wahlbeobachter - keineswegs zu. Vor allem im rebellischen Nordwesten des Landes wurde die Opposition massiv beeinträchtigt.