
Der Ausbruch des Kamerun-Berges
Am 28. März 1999 begann ein Ausbruch des über 4000 m hohe
Kamerun-Berges im westlichen Afrika. Leichte bis mittelschwere Erdbeben,
die den Beginn des Ausbruchs begleiteten führten zu Gebäudeschäden
in den umliegenden Dörfern und Städten. Mehrere zehntausend Menschen
sind von dem Ausbruch betroffen und müssen möglicherweise evakuiert
werden. Der Ausbruch begann mit sich abwechselnden Lavafontänen und
strombolianischer Aktivität aus mehreren Zentren entlang dreier Eruptionsspalten
in rund 3000 m Höhe. Lavaströme entwickelten sich, die zunächst
mit rund 20 km pro Stunde den Hang hinabflossen. Am 7. April wurde gemeldet,
daß einer der Lavastrom den Regenwaldgürtel erreicht hatte.
Der Strom war rund 1,5 km breit, 30 m mächtig und bewegte sich mit
einer Geschwindigkeit von einem halben Kilometer pro Tag vorwärts.
Bei dieser Geschwindigkeit wird er in wenigen weiteren Tagen die Atlantikküste
erreichen.
Der Kamerun-Berg ist ein Stratovulkan der in den letzten zweihundert
Jahren siebzehnmal ausgebrochen ist, zuletzt 1982 und 1977.
Die geologische Situation
Vulkane sind auf der Erde nicht gleichmäßig verteilt, sondern
befinden sich meist entlang der Grenzen von Erdkrustenplatten. Es gibt
jedoch auch einige Vulkane, die inmitten von Platten auftreten. Zu ihnen
gehört der Kamerun-Berg.
Der Vulkan ragt in unmittelbarer Nähe der Atlantikküste auf
und gehört zu einer mehrere hundert Kilometer langen Bergkette, die
von Nordosten aus dem Landesinneren kommt und sich nach Südwesten
bis in den Atlantik hinein fortsetzt. Im Atlantik, am Südwestende
der Bergkette befindet sich eine heiße Stelle - ein "Hot Spot" -
im Erdmantel. Hier steigt tief aus dem Erdinneren heißes, bei den
herrschenden Druck- und Temperaturbedingungen plastisch verformbares Gestein
nach oben und schmilzt dabei teilweise auf. Die Gesteinsschmelze, das Magma,
kann bis zur Erdoberfläche vordringen und bei einem Vulkanausbruch
als Lava ausfließen.
Hot Spots sind ortsfest und machen die Bewegung der Platten an der
Erdoberfläche nicht mit. Die Platten gleiten daher im Laufe der Jahrmillionen
mit Geschwindigkeiten von wenigen Zentimetern pro Jahr über einen
Hot Spot hinweg. Dabei nehmen sie die Vulkangebäude, die auf ihnen
sitzen, mit sich fort, während direkt über dem Hot Spot fortwährend
neue Vulkane entstehen. So bildet sich im Laufe der Zeit eine Inselkette
im Meer oder eine Bergkette an Land, bei der zumindest theoretisch nur
die Vulkane der jüngsten Insel aktiv sind. Der Kamerun-Berg und die
anderen aktiven Vulkane Kameruns liegen auf der "Spur" dieses Hot Spots
im Atlantik.
Warum sind sie entgegen der "reinen Lehre" heute noch aktiv? Auf diese
Frage werden im wesentlichen zwei Antworten diskutiert. Die Wahrheit dürfte
wie so oft in einem Zusammentreffen beider Faktoren zu suchen sein:
Die ursprüngliche Beobachtung, daß entlang einer Hot-Spot-Spur
nur die unmittelbar über der Wärmequelle gelegenen Vulkane aktiv
sind, stammt aus dem Pazifik. Das Paradebeispiel ist der Hawaii-Hot-Spot.
Die Pazifische Platte auf der sich Hawaii befindet ist derzeit die schnellste
aller Erdkrustenplatten. Die Vulkane des Hawaii-Archipels entfernen sich
mit rund 18 cm pro Jahr von der Wärmequelle. Der Bewegungsbetrag der
Afrikanischen Platte, auf der die Kamerun-Vulkane sitzen, erreicht ausgehend
vom Mittelatlantischen Rücken gerade einmal 3 cm pro Jahr. Eine langsame
Plattenbewegung scheint es zu ermöglichen, daß sich Magma auch
seitlich entlang der "vorgewärmten" Hot-Spot-Spur ausbreitet und so
der vulkanisch aktive Bereich wesentlich größer ist als beispielsweise
im Pazifik. Auch beim Hot-Spot der Kanarischen Inseln tragen ja alle Inseln
der Kette aktive Vulkane.
Der zweite Erklärungsansatz geht weiter in die geologische Vergangenheit
zurück; in die Zeit, als der Großkontinent Pangäa auseinanderbrach
und sich der Atlantik zu öffnen begann. Vor rund 300 Millionen Jahren
waren alle heutigen Kontinente in einer einzigen, großen Landmasse
- Pangäa - vereint. Vor 200 Millionen Jahren begannen sich große
Grabensysteme vergleichbar dem Ostafrikanischen Rift zu bilden, entlang
derer Pangäa auseinanderbrach.
Im "Jugendstadium" entwickeln sich derartige Grabensysteme als aneinandergereihte
dreizackige "Sterne" ausgehend von Tripelpunkten. Die beiden Arme der "Sterne",
die bei Aufreißen Kontakt zu anderen "Sternen" bekommen, entwickeln
sich zu Mittelozeanischen Rücken weiter, der dritte Arm jedoch verkümmert
nach ein paar Millionen Jahren. Einer dieser verkümmerten Arme, der
Benue-Trog in Nigeria liegt unmittelbar nordwestlich und parallel der Vulkankette
Kameruns. Noch immer ist die Erdkruste in diesem Bereich dünner als
es normalerweise der Fall wäre, was die Gegend zu einer Schwächezone
macht, entlang derer Spannung, die sich auch innerhalb einer großen
Platte aufbauen können, wieder abgebaut werden. Daher kann man argumentieren,
daß im Bereich der Kamerun-Berge, derartige Störungen bis in
den Erdmantel reichen und den Aufstieg von Magma auch weit vom Hot-Spot
entfernt noch möglich machen.
© Bayerische
Staatssammlung für Paläontologie und Geologie